Es wird gelegentlich angezweifelt ob Reptilien überhaupt in der Lage seien, Vitamin D durch UV Strahlung zu bilden. Dieser Zweifel ist durchaus gerechtfertigt, da beispielsweise Hunde und Katzen dazu nicht in der Lage sind, und ihren Vitamin D Bedarf allein über die Nahrung decken müssen [337].
Bei Reptilien wurden verschiedene Experimente durchgeführt, bei der Tiere oder deren Haut mit einer künstlichen UVB-Quelle bestrahlt wurden, und anschließend der Calcediolgehalt gemessen wurde. Alle mir bekannten Studien haben klar nachgewiesen, dass Reptilien VitaminD durch UVB-Strahlung bilden. Insbesondere Studien, mit Tieren mit starkem Vitamin D Mangel (erkennbar durch Bluttest oder MBD), der durch UV-Bestrahlung in sehr kurzer Zeit behoben werden konnte, sind hier eindrucksvolle Nachweise [578]. Siehe Übersicht Vitamin D Versorgung bei Reptilien
Grundsätzlich ist lediglich Vitamin D lebensnotwendig, für die Zufuhr stehen jedoch die beiden Möglichkeiten a) Nahrung/Vitaminpräparat oder b) UVB-Bestrahlung offen.
Beim Menschen liegt die benötigte Vitamin D Menge ohne zusätzliche Bildung UVB-Bestrahung bei etwa 400IU pro kg Körpergewicht und Woche [551], jedoch zeigen Untersuchungen, dass durch UV-Strahlung in der Haut gebildetes Vitamin D anders im Körper weiter verarbeitet wird, als über die Nahrung zugeführtes Vitamin D [587; 364].
Während Arten die Wirbeltiere fressen über die Leber ihrer Beute Vitamin D aufnehmen, ist für insekten- und pflanzenfressende Arten die UV-Strahlung der Sonne fast die ausschließliche Vitamin D Quelle. Strebt man eine naturnahe Haltung an, sollte man diese Arten mit hochwertiger UV-Strahlung versorgen. Zur Möglichkeit Tiere, die in der Natur ihren Vitamin D Bedarf hauptsächlich durch Sonnenlicht decken, ohne UVB-Bestrahlung gesund zu erhalten gibt es widersprüchliche Aussagen. Zusätzlich besteht der grundsätzliche Verdacht, dass UV-Strahlung neben der Vitamin D Bildung weitere positive Effekte hat [517] und dass künstliche Vitamin/Hormongaben negative Nebenwirkungen haben können. Dennoch wurden verschiedene Reptilien wurden allein durch orale Gabe von Vitamin D ohne UVB-Beleuchtung erfolgreich nachgezogen. Darunter Chuckwalla (Sauromalus obesus) [359], Panther-Chamäleons [249] sowie Berichte diverser Halter für andere Reptilien. Jedoch bestehen artspezifische Unterschiede bei der oralen Aufnahme von Vitamin D, siehe Übersicht Vitamin D Versorgung bei Reptilien
Der normale Blutspiegel scheint artabhängig stark zu variieren, siehe Übersicht Vitamin D Versorgung von Reptilien
Experimentell konnte kein Unterschied zwischen der Vitamin D Versorgung durch eine ganztägige Bestrahlung mit geringer Bestrahlungsstärke und kurzzeitiger Bestrahlung mit einer intensiveren Lampe festegestellt werden [178]
Auch wenn es durch den experimentellen Nachweis der Vitamin D Bildung durch UV-Strahlung bereits bewiesen ist, dass UVB-Strahlung die obere Hautschicht durchdringt, existieren auch Messungen der Durchlässigkeit verschiedener Hautschichten bei verschiedenen Reptilienarten. Diese Untersuchungen stammen bereits aus den 1960er Jahren, was es um so erschreckender macht, dass diese Tatsache weiterhin von Hobbyhaltern angezweifelt wird, um den Verzicht auf UV-Beleuchtung zu rechtfertigen.
Im Gehirn befinden sich Rezeptoren für Calcitriol. Dies kann möglicherweise erklären wie Tiere ihr Sonnenverhalten entsprechend an ihren VitaminD-Bedarf anpassen können. Nachgewiesen wurden diese Rezeptoren bei Rotkehlanolis [272] und Schmuckschildkröten [310].
Bartagamenjungtiere denen nur wenig Vitamin D über die Nahrung zugeführt wurde und die nicht mit UV bestrahlt wurden, nahmen vermehrt Futtertiere mit höherem Vitamin D Gehalt auf [563].
Eine sehr interessante Untersuchung zeigt, dass Reptilien in der Lage sind ihren VitaminD-Bedarf und die zu verfügung stehende Beleuchtung zu beurteilen [32]: Junge Pantherchamäleons wurden in Gruppen aufgeteilt und in verschiedenen Terrarien mit unterschiedlicher Kombination von Leuchtstoffröhren gehalten. Somit war in jedem Terrarium ein unterschiedliches Verhältnis von Licht, UVA und UVB-Strahlung vorhanden. Zusätzlich wurden die Tiere weiter unterteilt in Gruppen die einen hohen oder niedrigen Anteil Vitamin D3 mit der Nahrung verabreicht bekamen. Die Zeitdauer die die Tiere unter der Lampe verbrachten hing direkt mit dem UVB-Anteil und dem Vitamin D3-Bedarf zusammen. Scheinbar wissen die Tiere nicht nur wie hoch ihr VitaminD-Gehalt im Blut und ihr Bedarf sind, sondern sind auch in der Lage zu erkennen ob eine Lichtquelle geeignete UVB-Strahlung abgibt.
Im natürlichen Sonnenlicht variiert der UVB-Anteil stark mit der Tageszeit bzw. dem Sonnenstand. In dem die Tiere kurze Zeiten mittags sonnen können sie eine sehr viel größere Dosis UVB aufnehmen als wenn sie längere Zeiten am Vormittag/Nachmittag sonnen. Die Wärmeaufnahme ist durch die unterschiedliche Sonnendauer in beiden Fällen gleich.
Bei der Spitzkopfschildkröte (Emydura signata) wurde beobachtet, dass diese Tiere zwar sonnen, ihre Körpertemperatur dabei jedoch nicht erhöhen. Das Sonnen muss in diesem Fall andere Gründe als die Thermoregulation haben. Neben dem Abtrocknen kommt auch die VitaminD-Bildung in Frage. [273]
Nicht nur bei Hühnern ist nachgewiesen dass das Absterben der Jungtiere im Ei und deren schlecht ausgebildetes Skelett mit der VitaminD-Versorgung der Mutter zusammenhängt sondern auch bei Pantherchamäleons [178]
Tiere mit besserer Kalziumversorgung nehmen freiwillig größere Mengen an Kalzium auf [579]
Der Nacht- bzw. Dämmerungsaktive Hausgecko (Hemidactylus turcicus) bildet aus der selben UV-Dosis eine sehr viel größere Menge Vitamin D als der tagaktive Große Rauhschuppenstachelleguan (Sceloporus olivaceus). Trotz ihrer nachtaktiven Lebensweise nehmen die Tiere in der Natur eine gewisse UV-Dosis auf [237].
Grüne Leguane können über die Nahrung verabreichtes VitaminD2 ebenfalls verwerten [358]. Bei Taggeckos führe die Haltung unter einer UVA-Röhre und Supplementierung von D2 zu höheren Vitamin D Blutwerten als die Supplementierung (geringe Dosis) von D3 [457]
Bei einigen Echsen ist Provitamin D ein wichtiger Bestandteil des Sekrets der Femoraldrüsen. Eine bessere Vitamin D Versorgung machte männliche Iberische Gebirgseidechsen attraktiver für die Weibchen [470].
Bei Grünen Leguane (Iguana iguana), die unter einer Abwandlung einer Sylvania 2096 Lampe gehalten wurden (Leuchtstoff Typ UVB313) wurden ein unnatürlich hoher Calcitriol-Spiegel im Blut von bis zu 1200 ng/ml nachgewiesen [328] [329].
Bei Grünen Leguanen die aus geringer Entfernung mit einer Philips F40UVB Leuchtstoffröhre (Leuchtstoff Typ vermutlich ähnlich UVB313) bestrahlt wurden verhielten sich einige Tiere apathisch und hielten die Augen geschlossen (Symptome einer Hornhaut/Bindehautentzündung) [326]
Ab dem Jahr 2006 wurden vermehrt UV-Kompaktleuchtstofflampen mit einem Typ UVB313 Leuchtstoff auf den Markt gebracht. Kompaktleuchtstofflampen erreichen sehr viel höhere Bestrahlungsstärken als Leuchtstoffröhren, insbesondere dann wenn zusätzlich ein Reflektor verwendet wird. Mehrere Reptilien entwickelten ernsthafte Hornhaut/Bindehautentzündungen, teilweise mit Todesfolge! Weitere Fälle wurden beim Einsatz von UV-Röhren und Mischlichtlampen bekannt: Nach der Installation neuer UV-Lampen Verbrennungen an Haut- und Augen zusammen mit einem schlechten Allgemeinbefinden (Futterverweigerung, Lethargie, Häutungsschwierigkeiten) auf. In den letzten Jahren sind über 200 Fälle und über 20 Todesfälle dokumentiert [540; 574].
Ähnliche Fälle liest gelegentlich bei Bestrahlung mit der Ultravitalux aus zu geringer Entfernung und seitlicher Bestrahlung [50; 375] und bei hqi-Strahlern, insbesondere bei Brennern ohne UV-Stopp oder ohne Schutzglas [50]. Auch bei der Powersun 100W mit Leuchtstoffbeschichtung und der im Jahr 2010 fehlerhaft produzierten (und sofort zurückgerufenen) MegaRay und Active UV Heat sowie verschiedenen Leuchtstoffröhren sind Hornhaut/Bindehautentzündungen, teilweise mit Todesfolge, aufgetreten [574].
Bei oben bereits erwähnter Studie mit Grünen Leguanen und einer Philips F40UVB Leuchtstoffröhre [326] entwickelten Tiere eine dunkle Hautveränderungen.
Bericht über „Sonnenbrand“ mit großflächiger Hautablösung und Todesfolge bei vier Phelsumen [613]
Bei Studien zum UV-Bedürfnis von Chamäleons [178] wurde bemerkt dass zu intensive (vermutlich auch zu kurzwellige, „UVB313“-Strahlung) UVB-Strahlung bei Chamäleons die Lebensdauer herabsetzt und Hautkrebs auslöst.
Bei einem albinotischen Leopardgecko ist ein Fall von Hautkrebs, der mit der Verwendung einer UV-Lampe assoziiert wird, dokumentiert [384].

Fragen, Kommentare, Hinweise, Korrekturen:
Hi Sarina,
first of all - really thanks for this pages! I´m saing it anytime I´m here and I will keep saying…
I want to be sure about some thing:
as the tortoie´s carapace is a bone (fused ribs?) covered with thick keratine layer - they can´t synthetize any pre-vitamin D3, is that right? I´m familiar with the fact, that the synthesis of pre-vitD3 can occur only in a skin…so in the turtle´s case, thi means head, 4 limbs and tail.
Thanks for reply.
Mike
P.S. Sorry, my fault - I meant that they cannot synthetise any previtD3 throught their carapace but only in their skin as the others reptiles. My appologies.
Hi Mike,
yes, I also assume tortoise can only synthesize previtD3 in their skin and not in the carapace. But when you see them basking they always to make an effort to expose as much skin as possible (especially turtles look really funny when turning their feet to the sun like little solar panels), so this seems to be no restraint.
as far as I know this is still an unsolved enigma how the carapce evolved.
Sarina
Thanks a lot, you´re the best. The picture is really cute