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Flimmerwahrnehmung

Die Wahrnehmung einer schnellen Folge von Lichtsignalen hängt mit der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung in der Netzhaut zusammen. Lebewesen die darauf angewiesen sind schnelle Bewegungen wahrzunehmen haben üblicherweise eine höherere Flimmerverschmelzungsfrequenz. Die Flimmerverschmelzungsfrequenz (critical flicker fusion threshold, CFF) gibt an, ab welcher Frequenz eine Folge von Lichtblitzen nicht nicht mehr wahrgenommen werden kann. Beim Menschen beträgt sich je nach Lichtintensität 20 bis 80 Hz [40]. Deutlich höhere Flickerfusionsfrequenzen sind bei Insekten möglich, die Flickerfusionsfrequenz von Schmeißfliegen liegt bei 250 Hz1), Jagdvögel sind besitzen eine Flickerfusionsfrequenz von bis zu 150 Hz. Bei dieser Definition wird dem Auge ein hartes an-aus Signal gegliefert. Unter moderateren Bedingungen verschmilzt eine Bewegung bereits wesentlich früher. Bei Super-8 Videoaufnahmen reichen bereits 18 Einzelbilder pro Sekunde um den Eindruck eines Bewegungsablaufs zu erwecken. Ein flüssiger Bewegungsablauf ergibt sich bei 20 bis 30 Hz.

Auswirkungen einer Flimmernden Beleuchtung

Bei Vögeln, die eine hohe Flimmerverschmelzungsfrequenz haben, spielt das Flimmern von Leuchtstoffröhren in der Haltung eine große Rolle. Bei Vögeln ist bekannt, dass die visuelle Wahrnehmung der Tiere bei einer flackernden Beleuchtung leidet: Weibliche Vögel sind in der Partnerwahl weniger eindeutig wenn Röhren mit konventionellem anstelle von elektronischem Vorschaltgerät verwendet werden [146]. Es wird vermutet, dass die Haltung unter einer flimmernden Beleuchtung für die Tiere stressig ist, eine Untersuchungen konnte das aber nicht eindeutig nachweisen [147].

Untersuchung der Netzhaut

Wenn man die Netzhaut mit Lichtblitzen bestrahlt und das elektrische Signal des Sehnerves betrachtet, kann man die Flickerfusionsfrequenz experimentell ermitteln. Mit einem Elektroretinogramm kann das elektrische Signal an der Hornhaut abgegriffen werden, und kann somit am lebenden (betäubten) Tier durchgeführt werden, ohne dieses zu schädigen. Untersuchungen mit Elektroretinogramm liefern höhere Flimmerverschmelzungsfrequenzen als optomotorische Methoden [300] Solche Untersuchungen wurden bei verschiedenen Reptilien und Amphibien durchgeführt:

  • Mensch: CFF=70Hz [297]
  • Salamander: CFF=15Hz [297]
  • Anolis: CFF=70Hz, es wurden kaum Unterschiede bei Tieren aus hellem oder dunklem Habitat beobachtet [300]

Optomotorische Unterschung

Setzt man ein Tier in einen rotierenden Zylinder so folgen die Augen unwillkürlich der Bewegung (Optomotorik), sobald die Rotation so schnell ist, dass das Tier hell und dunkel nicht mehr unterscheiden kann sondern als gleichmäßiges Grau wahrnimmt hört diese Augenbewegung auf, und die Flimmerverschmelzungsfrequenz ist erreicht.

  • Gecko (Sphaerodactylus, reine Stäbchenretina): CFF=25Hz [303]
  • Schmuckschildkröte: CFF=50Hz [305]
  • Krötenechse (reine Zapfenretina): CFF=42Hz [304]
  • Anolis: CFF=42Hz, Tiere aus dunklen Habitaten hatten eine niedrigere Flimmerverschmelzungsfrequenz [301]

Verhaltensexperimente

Können Reptilien Fernsehen?

Trotz begrenztem Farbraum, zweidimensionalem Bild und Zusammensetzung aus Einzelbildern sind Echsen in der Lage auf einen Videofilm ihrer Artgenossen mit den üblichem Territorialverhalten zu reagieren [145].

Können Reptilien Lichtblitze verschiedener Frequenzen unterscheiden

Brückenechsen lernten zwischen Lichtblitzen der Frequenzen 3 Hz bis 45Hz und konstanter Beleuchtung zu unterscheiden, sie konnten Lichtblitze der Frequenz 65Hz jedoch nicht von konstanter Beleuchtung unterschieden [296]. Ihre Flimmerverschmelzungsfrequenz liegt daher unter 65Hz.

1) Autrum H (1958) Electrophysiological analysis of the visual systems in insects. Exp Cell Res 14: 426-439

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licht/vis/flicker.txt · Zuletzt geändert: 2010/06/25 16:52 (Externe Bearbeitung)
 
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