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UV-Breitbandmessgeräte

Breitbandmessgeräte gehören zu den beliebtesten UV-Messgeräten, da sie zu einem erschwinglichen Preis (ab ca. 150€) erhältlich sind. Sie zeichnen sich durch eine hohe Reproduzierbarkeit der Messergebnisse, einem hohen Signal zu Rausch Verhältnis und eine sehr einfache Handhabung aus. Alle diese Vorteile, die Breitbandmessgeräte im Vergleich zu Spektrometern besitzen, machen Sie zu beliebten Messgeräten für Reptilienhalter. Die Interpretation der Messwerte ist jedoch vergleichsweise kompliziert: Breitbandmessgeräte messen die Bestrahlungsstärke gewichtet mit ihrem eigenen Empfindlichkeitsspektrum, das nicht mit der meist gleichnamigen Bezeichnung des Messgeräts überein stimmt. Messwerte verschiedener Lampen oder verschiedener Messgeräte sind daher grundsätzlich nicht vergleichbar. So kann eine Lampe die einen geringen Messwert an einem UVB-Messgerät als eine andere Lampe hat dennoch eine höhere UVB-Bestrahlungsstärke haben.

Ohne Kenntnis

  • des Spektrums der Lichtquelle
  • des Empfindlichkeitsspektrums des Breitbandmessgeräts
  • des Kalibrationsverfahrens des Breitbandmessgeräts
  • des Spektrums der betrachteten Wirkung der Strahlung

hat der Einsatz eines Breitbandmessgeräts nur sehr begrenzte Aussagekraft.

Bei Lampen kommt zusätzlich hinzu, dass nicht nur punktuelle Messwerte relevant sind, sondern die räumliche Verteilung der Bestrahlungsstärke über Flächen die mindestens der Größe des Tieres entsprechen.

Aufbau und Funktion eines Breitbandmessgeräts

Das Messgerät besteht im wesentlichen aus zwei Komponenten: Einem Detektor und einem Filter. Oft ist zusätzlich eine Streuscheibe über dem Filter enthalten, damit der Winkelbereich den das Messgerät erfasst etwas größer wird (Kosinuskorrektur). Ohne eine Streuscheibe wäre das Messergebnis zu stark abhängig vom Winkel unter dem das Messgerät zur Lichtquelle gehalten wird.

Als Detektor werden in der Regel Photodioden verwendet, die aus einem Halbleitermaterial besteht. Ein Photon dessen Energie zur Bandlücke des Halbleiters passt erzeugt ein Elektronen-Loch-Paar und somit letztlich Strom. Im Quasi-Kurzschluss-Betrieb hängt die Stromstärke linear von der Anzahl der einfallenden Photonen ab. Photodioden sind daher hervorragend zur Messung der Bestrahlungsstärke geeignet. Für Messgeräte im sichtbaren Bereich wird meist ein Silizium-Halbleiter verwendet. Um die Bandlücke an eine UV-Messung anzupassen sind andere Halbleiter, beispielsweise SiC, GaN, Diamant oder GaAsP, nötig.

Da die spektrale Empfindlichkeit der Photodiode meist noch nicht die gewünschte Form hat, kann sich durch Filter weiter eingeschränkt werden.

Der Strom der Photodiode muss anschließend noch in eine nützlichere Größe umgerechnet werden. Viele Messgeräte geben die Bestrahlungsstärke in µW/cm² oder W/m² an. Andere Messgeräte verwenden eine gewichtete Bestrahlungsstärke wie z.B. den UV-Index oder die Vitamin D3 Menge (internationale Einheiten pro Minute) an.
Dazu wird einer Lampe, deren Spektrum (gewichtete) Bestrahlungsstärke bekannt ist, mit dem Messgerät gemessen, und der Umrechungsfaktor von Strom in gewünschte Einheit ermittelt (Kalibration).

Zur Kalibration gibt es drei Möglichkeiten: Verwendung einer Linienlichtquelle, Verwendung einer breitbandigen Lichtquelle oder Messung der Spektralen Empfindlichkeit des Messgeräts [120].

Als Linienlichtquelle wird üblicherweise eine Quecksilberdampflampe (254 nm, 313 nm, 365 nm) verwendet. Um den korrekten Messwert zu bestimmen, kann die Lampe mit einem einfachen Powermeter gemessen werden. Diese Methode ist schnell, einfach und sehr gut reproduzierbar. Bei Kalibration mit einer Linienlichtquelle liefert die Messung Bestrahlungsstärke einer breitbandingen Lichtquelle oft einen zu kleinen Wert, die Messung einer Linienlichtquelle einen zu hohen Wert [119].

Für Anwendungen im medizinischen Bereich wird meist mit einer breitbandingen Lichtquelle kalibriert. Dazu muss die breitbandige Lichtquelle zusätzlich mit einem Spektrometer vermessen werden, um herauszufinden, welcher Wert der korrekte Messwert ist.

Die fundierteste aber aufwändigste Kalibrationsmethode ist die Ermittlung der spektralen Empfindlichkeitskurve des Messgeräts.

Genauigkeit

Die Genauigkeit jeder Messung ist durch verschiedene statistische und systematische Fehler beschränkt [112][280]. Im Fall von Breitbandmessgeräten sind das

  • Linearität: Photodioden zeichnen sich durch eine hohe Linearität ab, dennoch kann das Messgerät nichtlinear auf die Bestrahlungsstärke reagieren, d.h. trotz doppelter Bestrahlungsstärke nicht den doppelten Messwert anzeigen
    Bei [121] variierte der Messwert zwischen niedriger und hoher Bestrahlungsstärke um einen Faktor 4.
  • Temperaturabhängigkeit: Sowohl die spektrale als auch die absolute Empfindlichkeit des Messgeräts kann Temperaturabhängig sein, so dass ein Messgerät das durch die Wärmestrahlung der Lampe aufgeheizt wird, veränderte Werte liefert (→[172])
  • Richtungs- und Verteilungsabhängigkeit: Bei inhomogener Lichtverteilung über die Fläche und das Gesichtsfeld des Sensors kann es zur Verfälschung des Messwerts kommen (→[117],[280])
  • Modulation: Bei Lampen deren Strahlung zeitlich schwankt (z.B. Mischlichtlampen) kann das den Messwert beeinflussen
  • Rauschen: Insbesondere wenn sehr kleine Messwerte gemessen werden sollen, spielt das statistische Dunkelsignal der Photodiode eine Rolle. Das Rauschen von UV Breitbandmessgeräten ist - vor allem im Vergleich zu günstigen Spektrometern - sehr gering.
  • Alterung: Durch den Einfluss der UV-Strahlung altern Breitbandmessgeräte und müssen regelmäßig nachkalibriert werden.

Neben diesen Fehlern hat die spektrale Empfindlichkeit des Messgeräts im Vergleich zur Größe die gemessen werden soll, einen größeren Einfluss auf den systematischen Fehler bei der Interpretation des Messwerts.

Korrekturfaktor

Auch wenn Breitbandmessgeräte oft als „UVB“-Messgerät oder „UV-Index“-Messgerät bezeichnet werden ist es technisch nicht möglich, die spektrale Empfindlichkeit des Messgeräts vollständig an die gewünschte Verwendung anzupassen. Ein Breitbandmessgerät bewertet die Strahlung der Lichtquelle (S_\mathrm{L}(\lambda)) grundsätzlich gemäß seiner eigenen spektralen Empfindlichkeit (s_\mathrm{M}(\lambda)1)) und liefert einen Wert proportional zu M = F_\mathrm{Kalibr.}\int\limits_0^\infty \mathrm{d}\lambda S_\mathrm{L}(\lambda) \cdot s_\mathrm{M}(\lambda) = \int\limits_0^\infty \mathrm{d}\lambda S_\mathrm{L}(\lambda) \cdot s^*_\mathrm{M}(\lambda).

Anteil (rot) des Spektrums der Lichtquelle (orange) der von einem UVB-Breitbandmessgerät (blau) gemessen wird

Der Messende interessiert sich meist aber für biologische oder chemische Wirkung oder einen physikalischen Bereich der Lampe, gegeben durch eine spektrale Empfindlichkeit s_\mathrm{A}(\lambda)2), also einen Wert A = \int\limits_0^\infty \mathrm{d}\lambda S_\mathrm{L}(\lambda) \cdot s_\mathrm{A}(\lambda).

Anteil (rot) des Spektrums einer Lichtquelle (orange) das gemessen werden soll (UVB, 280-320nm, blau)

Wenn das Spektrum der Lichtquelle S_\mathrm{L}(\lambda), das Spektrum der Kalibrationslampe S_\mathrm{K}(\lambda), die spektrale Empfindlichkeit des Messgeräts s_\mathrm{M}(\lambda) und die spektrale Empfindlichkeit des betrachteten Prozesses (z.B. UVB, Vitamin D Bildung …) s_\mathrm{A}(\lambda) bekannt sind, kann ein Korrekturfaktor errechnet werden [38], [119], der diese beiden Größen in Relation setzt:

a = \frac{\int\limits_0^\infty\mathrm{d}\lambda S_\mathrm{K}(\lambda)\cdot s_\mathrm{A}}{\int\limits_0^\infty\mathrm{d}\lambda S_\mathrm{K}(\lambda)\cdot s_\mathrm{M}}\frac{\int\limits_0^\infty\mathrm{d}\lambda S_\mathrm{L}(\lambda)\cdot s_\mathrm{M}}{\int\limits_0^\infty\mathrm{d}\lambda S_\mathrm{L}(\lambda)\cdot s_\mathrm{A}} \quad = \quad \frac{F_\mathrm{Kalibr.}\int\limits_0^\infty\mathrm{d}\lambda S_\mathrm{L}(\lambda)\cdot s_\mathrm{M}}{\int\limits_0^\infty\mathrm{d}\lambda S_\mathrm{L}(\lambda)\cdot s_\mathrm{A}} \quad = \quad \frac{M}{A} \qquad\qquad A = aM

Dieser Korrekturfaktor ist nur in zwei Fällen a=1, in diesem Fall stimmen Messwert und gewünschter Wert überein:

  • Spektrum der Lichtquelle und Spektrum der Kalibrationslampe stimmen überein: S_\mathrm{K}(\lambda) = S_\mathrm{L}(\lambda)
    oder
  • Empfindlichkeit des Messgeräts und gewünschte Empfindlichkeit stimmen überein: s_\mathrm{M}(\lambda) = s_\mathrm{A}(\lambda) - so lange man also nicht der Versuchung erliegt den Messwert als physikalische UVB-Bestrahlungsstärke, Eignung zur Vitamin D Bildung oder einer anderen biologischen Reaktion zu interpretieren, ist ein Breitbandmesswert „korrekt“.

Je weiter diese Wertepaare von einander abweichen, desto stärker weicht der Messwert vom gewünschten Wert ab. Der Korrekturfaktur muss für jedes Messgerät (s_\mathrm{M}(\lambda) und S_\mathrm{K}(\lambda)) und jede gewünschte Anwendung (s_\mathrm{A}(\lambda) und S_\mathrm{L}(\lambda)) bestimmt werden. Pauschale Aussagen über den Fehler eines Breitbandmessgeräts sind unseriös. Will man die Abhängigkeit von der konkreten Lampe reduzieren, bietet sich, die „Integral characterisation“ f_1' an [112] 3) :

f_1' = \frac{ \int\limits_0^\infty\mathrm{d}\lambda \left| s^*_\mathrm{M}(\lambda) - s_\mathrm{A}(\lambda) \right| } { \int\limits_0^\infty\mathrm{d}\lambda s_\mathrm{A}(\lambda) }
Verschiedene Untersuchungen beschäftigen sich mit Korrekturfaktoren von Breitbandmessgeräten

  • für künstliche Sonnenstrahlung und verschiedene handelsübliche Breitbandmessgeräte ergaben sich [121]
    • 0.54 bis 2.22 für den UV-Index
    • 0.77 bis 5.51 für den dUVA-Bereich
  • [320] und [474] untersuchten die Korrelation zwischen Breitbandmessgerät-Werten und experimenteller VitaminD-Bildung.
  • [38] ermittelt für verschiedene typische UV-Lampen Korrekturfakten von 0.4 bis 1.6 und für Sonnenstrahlen 1.2 bis 2.2 für den UV-Index
  • [119] zeigt wie wichtig linear und logarithmische Darstellung von s_\mathrm{M}(\lambda) für die Abschätzung des Korrekturfaktors sind. Korrekturfaktoren für typische UV-Lampen liegen zwischen 0.7 und 6.3 (actinic response)
  • Bei verschiedenen simulierten Sonnenspektren ermittelten [277] Korrekturfaktoren von 1.2 bis 1.4 für UVA und 0.04 bis 16 für UVB.

Regressionsanalyse

Der Messwert eines einzelnen Breitbandmessgeräts M=F_\mathrm{Kalibr.}\int\mathrm{d}\lambda S_\mathrm{L}(\lambda)s_\mathrm{M}(\lambda) enthält kaum Information über das Spektrum der Lichtquelle. So lässt sich allein durch Änderung des Abstands bei jeder UV-Lampe der selbe Messwert erzeugen. Durch den Vergleich der Werte zweier Messgeräte mit unterschiedlicher Empfindlichkeit lässt sich diese Information erhöhen. Das Verhältnis der Messwerte ist abhängig von der Form (aber nicht der Intensität!) des Lampenspektrums und der Empfindlichkeitsspektren der Messgeräte.

\frac{M_1}{M_2} = \frac{F_1\int\mathrm{d}\lambda S_\mathrm{L}(\lambda)s_\mathrm{M1}(\lambda)}{F_2\int\mathrm{d}\lambda S_\mathrm{L}(\lambda)s_\mathrm{M2}(\lambda)} = f\left(S_\mathrm{L}^\mathrm{norm.}(\lambda),s_\mathrm{M1}(\lambda),s_\mathrm{M2}(\lambda)\right)
Dieser Wert kann aus Messwerten bei verschiedenen Abständen von der Lampe ermittelt werden, wenn das Spektrum abstandsunabhängig ist und die Kosinuskorrektur beider Messgeräte hinreichend ähnlich ist. Zur statistischen Analyse der Daten stehen verschiedene Metoden der Regressionsanalyse zur Verfügung.

Literatur

[38] ANTON GUGG-HELMINGER, WOLFGANG DÄHN, STEPHAN FENK & B. ANGELO. Broadband and Spectral Measurement Instrumentation for Photobiological Hazard Evaluation. CIE Expert Symposium on Light and Health. (1st Oct )
[112] Characterizing the Performance of Integral Measuring UV-Meters. 2000. UV News 6. A-1–AA-36
[117] NEIL HARRISON. 2000. Improving the Accuracy of Ultraviolet Radiation Measurement. UV News 5. 18–23
[119] ANTON GUGG-HELMINGER, WOLFGANG DÄHN & STEPHAN FENK. 2002. Manufacturer’s view on UV meters with different action spectra. UV News 7. 20–28
[120] PETRI KÄRHÄ. 2002. Calibration and intercomparison issues with broadband UV meters. UV News 7. 29–34
[121] FRANÇOIS J. CHRISTIAENS & ALAIN CHARDON. 2006. Calibration of UV radiometers is needed to guarantee the relevance of measurements. UV News 8. 14–16
[172] FRANCES M. BAINES. Sep 2007. Does the Ambient Temperature Affect the Readings on a Solarmeter 6.2?
[277] Discrepancies Associated with Using UVA and UVB Meters to Measure Output of Sunlight, Solar Simulators, etc. Nov 1991. Orlando: Optronic Labaratories
[280] THOMAS C. LARASON. 2001. Avoiding Errors in UV Radiation Measurements. Photonics Spectra
[320] WILLIAM H. GEHRMANN, J.D. HORNER, GARY W. FERGUSON, TAI C. CHEN & MICHAEL F. HOLICK. 2004. A comparison of responses by three broadband radiometers to different ultraviolet-B sources. Zoo Biology 23.4. 355–363
[474] JUKKA LINDGREN, WILLIAM H. GEHRMANN, GARY W. FERGUSON & JOHN E. PINDER. 2008. Measuring Effective Vitamin D3-Producing Ultraviolet B Radiation Using Solartech’s Solarmeter® 6.4 Handheld, UVB Radiometer. Bulletin of the Chicago Herpetological Society 43.4. 57–62

1) nicht normiert
2) normiert um die Korrekte Einheit für A zu erhalten
3) Um den Einfluss des verwendeten Kalibrationsspektrums S_\mathrm{K}(\lambda) zu eliminieren, kann S_\mathrm{K}(\lambda)=1 gesetzt werden. In diesem Fall gilt \tilde f_1' = \int\limits_0^\infty\mathrm{d}\lambda \left| \tilde s_\mathrm{M}(\lambda) - \tilde s_\mathrm{A}(\lambda) \right| wobei \tilde s_\mathrm{M} und \tilde s_\mathrm{A} auf Fläche=1 normiert sind. \tilde f_1' nimmt dann Werte zwischen 0 (ideal) und 2 (kein Überlapp von s_\mathrm{M} und s_\mathrm{A}) an

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licht/uv/breitband_messgeraete.txt · Zuletzt geändert: 2010/06/25 16:52 (Externe Bearbeitung)
 
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